Die Sozialdemokraten in Neuss trauern um Anni Brandt-Elsweier. Sie ist am 1. September im Alter von 85 Jahren verstorben.

Anni war eine große Sozialdemokratin. Unglaubliche 54 Jahre war sie SPD-Mitglied. 1963 ist sie der Partei beigetreten – im Jahr des Kennedy-Attentats. Da hatte sie ihr Jura-Studium bereits absolviert. Das zweite juristische Staatsexamen legte sie in Düsseldorf ab. Nach drei Jahren als Rechtsanwältin wurde Sie Richterin am Landgericht in Düsseldorf. Schon ihr Beruf lässt erkennen: Der Einsatz für Menschen und für Gerechtigkeit war ihr immer ein großes Anliegen. So kandidierte Anni 1969 erfolgreich für den Stadtrat, war zwischenzeitlich Vorsitzende der Ratsfraktion, später stellvertretende Bürgermeisterin. Als Vorsitzende des Kulturausschusses hat sie die Neusser Kulturpolitik jahrelang maßgeblich mitgeprägt. Fast 20 Jahre war sie auch Mitglied im Kreistag und erste stellvertretende Landrätin.

Trotz allem ehrenamtlichen Engagement: Ihre, wie sie selbst sagt, intensivste Zeit erlebte sie als Bundestagsabgeordnete von 1990 bis 2002. Der Golfkrieg, Auslandseinsätze der Bundeswehr, die Diskussion um Paragraph 218 und die Bonn-Berlin-Frage beschäftigten seinerzeit das politische Deutschland. Mit Anni waren die Neusser durch eine Politikerin mit Herz, Verstand und eigenem Gewissen vertreten. An der damaligen Neuregelung des Prostitutionsschutzgesetzes hatte Anni besonders großen Anteil, aber auch an der Öffnung der Bundeswehr für Frauen und dem Schutz vor Stalkern. Nach ihrem Abschied aus dem Bundestag wurde sie im Jahr 2002 mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse ausgezeichnet.

Wir werden Anni immer als bedachtsame, überaus zuverlässige und aufrichtige Politikerin in Erinnerung behalten. Wenn Sie mal eine Fraktionssitzung versäumt hat, hat sie das vorher angekündigt und sich entschuldigt. Es war wohltuend, wie liebenswürdig und ausgleichend Anni auf Andere zuging. Marktschreierische Töne hatte sie nie nötig. Vor einigen Monaten hat sie darum gebeten, nicht länger als sachkundige Bürgerin in der Fraktion mitzuarbeiten. Sie wollte Platz machen für jüngere Genossen. Vor diesem Schritt hatten wir großen Respekt. Wir hätten Anni dafür und überhaupt für Alles so gerne nochmal persönlich gedankt. Leider war das nun nicht mehr möglich.

Liebe Anni: Vielen Dank für all die Jahre Einsatz, Herzblut und Treue zur SPD. Nun kannst Du nur von außen zuschauen, wie wir uns schlagen! Wir werden Deine Urteilskraft und Deinen Rat vermissen.