Der SPD-Fraktionsvorsitzende Arno Jansen kann nur noch mit dem Kopf schütteln. „Wenn es nach der schwarz-gelben Landesregierung geht, dürfen Kinder bald nicht mehr in der Kita übernachten“, sagt er. Im Programm vieler Kindertagesstätten ist eine Übernachtung fester Bestandteil. So auch in der Kita „Friederike Fliedner“ in Jansens Wahlkreis Weckhoven. Dort gehört die Übernachtung mit den Vorschulkindern im letzten Kindergartenjahr traditionell dazu.

Übernachtungsparty ist Tradition

Die Kinder wuseln schon Tage vor der eigentlichen Übernachtung aufgeregt durch die Wohnung. Immer wieder wird überprüft, ob der heißgeliebte Teddy auch wirklich eingepackt ist. Die „Übernachtungsparty“ der ältesten Kinder in der Kita kurz vor dem Wechsel in die Grundschule stellt eine Art symbolischer Abnabelungsprozess von der Kita dar. Dieser harmlose Spaß droht nun durch ein ministerielles Schreiben aus dem Hause Ina Scharrenbach (CDU), der Ministerin für Heimat, Kommunales und Bauen, ein jähes Ende zu finden.

Ursprung: Die Bauaufsichtsbehörde Wuppertal

Wie konnte das geschehen? Die Bauaufsichtsbehörde Wuppertal hatte sich beim Ministerium erkundigt, ob das Übernachten in Kindergärten genehmigungspflichtig sei. Die Antwort aus dem Ministerium kam prompt: Selbstverständlich handele es sich bei solchen Übernachtungen um eine „genehmigungspflichtige Nutzungsänderung“, da die Übernachtung nicht Bestandteil der Baugenehmigung sei. Einige Kommunen haben deswegen bereits bekannt gegeben, dass keine Übernachtungen mehr getätigt werden sollen, da der bürokratische Aufwand zu hoch sei. Je nach Einzelfall müssten neue Brandschutzkonzepte erstellt und dazugehörige Maßnahmen vorgenommen werden, auch für nur ein oder zwei Übernachtungen im Jahr.

Was tagsüber geht, soll nachts ein Problem sein?

Jansen: „Das ist besonders absurd, weil in vielen Kitas selbstverständlich auch tagsüber Kinder schlafen wie beim Mittagschlaf im U3-Bereich. Was tagsüber geht, soll nachts ein Problem darstellen?“ Jansen fragt sich: „Hat die Ministerin nichts wichtigers zu tun, als weiter die Bürokratie aufzublähen?“ Der Stadtverordnete will sich für eine „unbürokratische Regelung“ einsetzen, damit in den Neusser Kitas auch weiterhin ab und zu „Hui Buh“ und andere kleine Schreckgespenster nachts ihr Unwesen treiben dürfen.

 

Foto: Simone M. Neumann/ SPD-Parteivorstand