Viele kennen die kleinen bunten Sushi-Packungen aus dem Supermarktregal. Es gibt sie in verschiedenen Varianten. Doch was viele nicht wissen, die kleinen Reishappen stammen von dem im Neusser Süden beheimateten Lebensmittelhersteller Natsu Foods GmbH. Hergestellt wird das Sushi allerdings nicht nur in Neuss, sondern auch im Auftrag von der in Leipzig ansässigen Shisu Vertriebsgesellschaft. Bis jetzt. Denn wie der MDR sowie die Leipziger Volkszeitung einhellig berichten, wurde die Produktion im Leipziger Vertriebswerk bereits im Februar angehalten. Allen 132 Mitarbeitern wurde von jetzt auf gleich gekündigt. Nach Berichten von Mitarbeitern, mussten alle die Schlüssel abgeben und das Werk sofort verlassen.

Ein ungewöhnliches Vorgehen, wie die für den Betrieb zuständige Gewerkschaft Nahrung Genuss und Gaststätten (NGG) in Leipzig zu berichten weiß. Zudem berichten die Gewerkschaftsvertreter, dass Betriebszugehörigkeiten der Beschäftigten nicht ordentlich angerechnet und damit die Kündigungsfristen nicht korrekt eingehalten wurden.


Die Werksschließung aus Neusser Sicht

Auch aus Neusser Sicht verwundert die plötzliche Betriebsschließung. So hatte Natsu Foods noch Ende 2015 seine Betriebskapazitäten in Neuss um ein weiteres Werk im Hafen erweitert. Der Geschäftsführer der Natsu GmbH, Tom Hörnemann, begründete die Erweiterung damals mit der konstant guten Nachfrage.

Natsu Foods selbst schweigt indes zu den Vorgängen in Leipzig und war gegenüber den eigenen Beschäftigten sowie Medienvertretern zu keiner Stellungnahme bereit. Dies versetzt auch die Neusser Sozialdemokraten in Rage. „132 Menschen einfach auf die Straße zu setzen und anschließend den Kopf in den Sand zu stecken, gehört sich nicht!“, sagt Arno Jansen. Unser Fraktionschef erfuhr am Samstag von den Vorgängen in Leipzig.

Auch unser Neusser Parteivorsitzender, Sascha Karbowiak, zeigt sich empört über die Vorgänge: „Wir zeigen uns solidarisch mit den Beschäftigten in Leipzig. Die Natsu Foods in Neuss fordern wir auf, endlich Stellung zu den Vorgängen in Leipzig zu beziehen und die gesetzlichen Regelungen einzuhalten.“


Natsu droht Klagewelle

Dem Lebensmittelhersteller drohen indes Klagen seiner Beschäftigten. Bei einem Beschäftigungsverhältnis seit 2009 hätte die Firma die Kündigung ein Vierteljahr vorher aussprechen müssen, so Vertreter der zuständigen Gewerkschaft. Zudem habe man eine Klausel im Abwicklungsvertrag gefunden, die recht dubios erscheint. Darin sollen die gekündigten Mitarbeiter unterschreiben, dass sie für eine Abfindung von 1.000 Euro auf eine Klage gegen den Arbeitgeber verzichten.

Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Leipzig-Südwest, Benjamin Schulz befürchtet man wolle so den Kündigungsschutz aushebeln und die Beschäftigten schnell und billig loswerden. „Die Beschäftigten sollen überrumpelt werden“, so der Leipziger Sozialdemokrat Schulz.

Wir als Neusser SPD haben bereits Kontakt mit dem DGB im Kreis Neuss aufgenommen. Deren Vorsitzender Udo Fischer hat sofort seine Unterstützung zugesagt und mit seinem Gewerkschaftskollegen in Leipzig telefoniert.

Ein erstes Solidaritätsschreiben haben Sascha Karbowiak und Arno Jansen noch am Samstag nach Leipzig geschickt und den Beschäftigten mitgeteilt: „Wir versichern Euch, wir kämpfen hier in Neuss an Eurer Seite, so wie es die SPD in Leipzig tut!“

Hier unsere Solidaritätsbekundung mit den Beschäftigten der Firma Shisu: Soli-Schreiben_Shisu (PDF)

 

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